Streuobstwiese

 

Streuobstwiesen bereichern die Landschaft mit ihrer Vielzahl an Obstbäumen verschiedener Sorten und unterschiedlichen Altersstruktur. Sie wurden ursprünglich als Obstbau-Gürtel rund um die Dörfer zur Eigenversorgung angelegt und stärkten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im ländlichen Raum die Wirtschaftskraft.


Geschützte Biotope und genetisches Potenzial

 

Streuobstbestände unterliegen nach § 13 Hessisches Naturschutzgesetz dem gesetzlichen Biotopschutz. Auf der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands sind die Streuobstwiesen als „stark gefährdet“ eingestuft. Schätzungen zur Baumanzahl in Hessen schwanken zwischen 0,5 Mio. und 1 Mio. Bäumen, was einem Bestandsrückgang im 20. Jahrhundert um bis zu 95 % entspricht!

 

Es ist das große Verdienst der traditionellen Obst- und Gartenbauvereine, den Restbestand an Streuobstwiesen gesichert zu haben! In den letzten Jahren wächst erfreulicherweise die Zahl der Initiativen, die alte, verwilderte Streuobstbestände wiederbeleben, in dem sie neu pflanzen, schneiden, beweiden, Patenschaften vergeben und Ernteeinsätze organisieren.

 

In Streuobstwiesen können zwischen 2.000 und 5.000 Tierarten beheimatet sein. Den größten Anteil nehmen dabei Insekten, wie Käfer, Wespen, Hummeln und Bienen ein, für viele Vogelarten sind alte Streuobstbestände durch ihren Höhlen- und Totholzreichtum die ideale Lebensstätte.

 

Bis zum 20. Jahrhundert entstanden über 6.000 Obstsorten, darunter teils nur örtlich verbreitete Sorten, die mit ihrer traditionellen Bewirtschaftungsweise ein Teil der Landeskultur sind. Außerdem gilt die Vielfalt der alten Sorten gegenüber Krankheiten und Schaderregern als besonders robust und ist somit ein wertvolles genetisches Potenzial. mehr...



Förderung

 

Die Obst- und Gartenbauvereine im Kreisverband Biedenkopf haben über Jahrzehnte mit ihrer engagierten Vereinsarbeit maßgeblich zum Erhalt der Streuobstwiesen im Hinterland beigetragen.

 

Das Land Hessen hat die besondere Bedeutung von Streuobstwiesen erkannt und fördert sie auf dreifache Weise: HALM, Biodiversitätsstrategie Hessen und GENAU.

 

 

HALM*-Förderung

(Hessisches Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen)

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert eine besonders nachhaltigen Landbewirtschaftung und dazu gehört auch die Erhaltung von Streuobstbeständen.

 

Wenn Hochstamm-Obstbäume innerhalb von 5 Jahren mindestens einen Erhaltungsschnitt erhalten, werden sie mit 6 € pro Jahr und gepflegtem Baum gefördert. Vorausssetzung ist u.a., dass es sich nicht um eine Ausgleichsmaßnahme handelt, ein Befähigungsnachweis (1-tägiger Schnittkurs) vorliegt und die Streuobstwiese mindestens 17 Bäume umfasst (Förderrichtlinie).

 

 

Biodiversitätsstrategie Hessen

Die Erhaltung der Biodiversität, dh. der Vielfalt an Lebenräumen, Arten und ihrer genetischen Ausstattung, sieht das Land Hessen als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Umsetzung wird auf vielen Wegen gefördert, so z.B. auch die Neuanlage von Streuobstwiesen mit 100 %! Zur weiteren Pflege kann dann eine Kombination mit HALM gewählt werden.

 

Ansprechpartner

für die Förderung mit HALM oder "Biodiversitätsstrategie Hessen" ist Michael Zerbe, Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, Fachdienst Agrarförderung und Agrarumwelt, Tel 06421 405-6214, Email ZerbeM@marburg-biedenkopf.de

 

 

GENAU* – die Umweltlotterie von Lotto Hessen

(Gemeinsam für Natur und Umwelt)

Die Umweltlotterie GENAU sieht neben den Individualgewinnen jede Woche einen Zusatzgewinn in Höhe von 5.000 € für ein Umwelt- und Naturschutzprojekt vor. Dieses Projekt wird von den Teilnehmer*innen von GENAU ausgewählt.

 

Die thematische Bandbreite für Projekte weit gesteckt, so dass es z. B. um das Pflanzen von Bäumen, um die Pflege eines Schulgartens, um das Anlegen oder Sanieren eines Teiches, um die Anschaffung von Arbeitsmaterialien für die Landschaftspflege (z. B. von Streuobstwiesen), um das Ankaufen und Pflegen eines aus Artenschutzsicht wertvollen Stück Landes, um den Schutz von bedrohten Arten oder um die Entsiegelung einer Fläche, um Regenwasser zu versickern, gehen kann (Projektbeispiele).

 

Es können maximal 30 Projekte pro Landkreis/kreisfreier Stadt auf der GENAU-Projektliste stehen. Hier können Sie direkt feststellen, ob noch freie Plätze verfügbar sind. Das Formular zur Projekteinreichung ist im Vergleich zu anderen Förderanträgen überschaubar. Los gehts!