Streuobstwiesen

 

Bedeutung und Vorkommen

 

 

Streuobstwiesen bereichern die Landschaft mit ihrer Vielzahl an Obstbäumen verschiedener Sorten und unterschiedlichen Altersstruktur. Sie wurden  ursprünglich als Obstbau-Gürtel rund um die Dörfer zur Eigenversorgung angelegt. Der ländliche Obstbau diente bald jedoch auch dem Erwerb, falls es eine Möglichkeit des Absatzes auf Märkten und dem damit verbundenen Transport gab. So wurden z. B. Kirschen mit der Bahn von Marburg-Ockershausen bis nach Frankfurt transportiert.

 

 

Mit dem Aufkommen des Plantagenanbaus von neuen Sorten aus den USA nach dem 2. Weltkrieg verloren  die Obstwiesen mehr und mehr ihre wirtschaftliche Bedeutung, weil das uniforme Plantagenobst im Supermarkt leichter zu erhalten und ansprechender im Aussehen war. Damit einhergehend wurden die Obstwiesen weniger gepflegt, das anfallende Obst diente allenfalls zur Fruchtsafterzeugung, Kirschen und Pflaumen wurden vielerorts nicht mehr geerntet. Mit der mangelnden Pflege konnten sich auch bestimmte Schädlinge und Krankheiten leichter ausbreiten, z. B. der Apfelwickler oder die Kirschfruchtfliege. Ungepflegte Obstwiesen waren weniger attraktiv, so dass zunehmend weniger hochstämmige Obstbäume gepflanzt wurden.

Erst Ende der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde der Wert der „Streuobstwiesen“ als Lebensraum für Wildkräuter und Wildtiere wieder entdeckt und vereinzelt wieder Obstwiesen mit Hochstämmen angepflanzt. In der Sortenwahl wurde auch wieder auf alte Obstsorten zurückgegriffen, rechtzeitig bevor sie vollständig verschwunden waren. Die Anzahl der Neupflanzungen ist jedoch auch stark zurückgegangen, so dass es zur Erhaltung dieses wertvollen, vielseitigen und schönen Lebensraums sinnvoll ist, weitere Streuobstwiesen anzulegen.

 


Pflanzung

 

 

Hochstämmige Obstbäume wachsen langsam. Es dauert oft 12 -15 Jahre, bevor sie zum ersten Mal einen nennenswerten Ertrag bringen. Sie nehmen dann aber auch einen großen Platz ein, so dass es zu den häufigsten Fehlern gehört, nicht genügend Platz zwischen den jungen Bäumen bei der Pflanzung zu lassen. Apfel- und Birnenhochstämme benötigen mindestens 10 m, Pflaumen 8, Süßkirschen 12 und Walnussbäume 15 Meter Pflanzabstand. Dies wird häufig nicht beachtet, so dass die Bäume in der Folge oft nicht genügend Entwicklungsmöglichkeiten haben, die Früchte beschattet werden und die späteren Nutzer kaum Freude am Obst haben.

 

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl des Standortes. An feuchten, staunassen Standorten, die nicht genügend Sauerstoff für die Wurzelatmung bieten, wachsen Obstbäume nicht oder werden von Krankheiten, wie z. B. dem Obstbaumkrebs, befallen. Talsenken sind oft ein Sammelbecken für Kaltluft womit die Gefahr der Blütenschädigung durch Frost steigt. Dieser Aspekt gewinnt  zunehmend an Bedeutung, weil infolge des Klimawandels der Zeitpunkt der Blüte weit nach vorne gerückt ist und die Blüten somit anfälliger für die Temperaturschwankungen in der unsteten Aprilwitterung sind.

 

 

Auch die Wahl der Sorten ist entscheidend für den späteren Nutzen und hängt stark vom Ziel ab, welches jemand bei der Anlage einer Streuobstwiese verfolgt. Sollen die Früchte vorwiegend direkt verzehrt, vermehrt länger eingelagert oder zu Saft bzw., Wein verarbeitet werden? Wie ist der Geschmack innerhalb der Familie?  Diese Fragen sollten erst geklärt werden, bevor eine Obstwiese angelegt wird. Zudem wird dringend empfohlen, sich mit dem jeweiligen Kreisverband für Obstbau, Garten und Landschaft in Verbindung zu setzen, der eine entsprechende Fachberatung vermitteln kann (Beratung).

 


Pflege

 

 

Obstbäume sind Kulturpflanzen und erfordern eine sorgfältige und wiederholte Pflege. Insbesondere der Schnitt will wohlüberlegt und der jeweiligen Wuchsform des Baumes, dem Ziel der Pflanzung und an die eigenen Möglichkeiten angepasst sein. Auch hier ist es sinnvoll, sich fortzubilden und entsprechende Kurse bei den Obst-und Gartenbauvereinen zu belegen (siehe Aktuelles). Die Aneignung im Selbststudium kann einen solchen Kurs zwar ergänzen aber nicht ersetzen, weil die verschiedenen Aspekte der Baumpflege zielgerichtet besser am jeweiligen Beispielobjekt vermittelt werden können. Schnitt nach eigener Einschätzung ohne Anleitung kann zu Ertragsausfall und gegebenenfalls auf Dauer zu statischen Problemen mit entsprechenden Risiken führen.

 

 

Zur Pflege gehört auch der Schutz der Bäume vor Wild- und Nutztieren, der bei Mängeln eine der häufigsten Ursachen für Verwundungen und Ausfälle bildet. Sinnvoll ist ein Mantel aus Weidematten, der auch gleichzeitig einen Schutz vor Stammrissen durch Sonneneinstrahlung bei frostiger Witterung bietet, den eine Drahthose alleine nicht gewährleisten kann. Auch das „weißeln“ der Bäume bietet diesen Schutz, muss jedoch jährlich wiederholt werde, um einen Effekt zu garantieren.

 

 

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge beeinträchtigen oft die Freude am Obstbau. Für den Laien ist es manchmal schwer zu erkennen, um welche Krankheit, bzw. welchen Schädling es sich handelt und welche Bedeutung der Schaden hat. Fehldiagnosen und damit fehlende oder falsche Konsequenzen sind häufig. Auch hier ist die Beratung durch einen fachlich versierte Person bzw. das Gartentelefon gefragt (Beratung).

 

 

Wenn man alte Bäume mit Astlöchern auf der Obstwiese stehen lässt, auch wenn sie kaum noch Ertrag bringen, bietet man vielen bedrohten Tieren einen Lebensraum. Gerade Insekten leben oftmals von absterbenden Rindenbestandteilen, dienen ihrerseits wieder vielen in ihrem Bestand bedrohten Vögeln als Nahrungsgrundlage und tragen damit zur Vielfalt des Lebens bei. Streuobstwiesen, besonders wenn sie etwas älter sind, sind das Paradebeispiel für Artenreichtum, also „Biodiversität im besten Sinne.

 


Ernte

 

Tragen die Obstbäume Früchte, wird dies  heute nur noch teilweise geschätzt.  Idealerweise nimmt man sich für die Ernte  Zeit und genießt diesen Höhepunkt des Gartenjahres, verarbeitet  die Früchte und genießt später die Produkte!  Einige Obstwiesenbesitzer sehen dies jedoch zunehmend als Belastung an und wollen oder können die damit verbundene Arbeit nicht mehr leisten. Dies ist einerseits bedauerlich bietet andererseits aber auch eine Chance für diejenigen, die Obst lieben aber kein eigene Obstwiese besitzen! Wenn Sie nicht abgeerntete Obstwiesen beobachten, ist es nicht sinnvoll, diese einfach zu ernten sondern den Besitzer/Eigentümer ausfindig zu machen und wegen der Ernteerlaubnis anzufragen! Oft begrüßen es die Eigentümer, wenn sich Interessenten finden, die den Wert der Obstwiese auch zu schätzen wissen.

 

Vielerorts gibt es Initiativen oder örtliche Vereine, die Ihnen bei tatkräftiger Mithilfe auch Gelegenheit bieten, Flächen  gemeinsam abzuernten oder bei der notwendigen Pflege zu helfen.

 

So wird auch der örtliche Obst-und Gartenbauverein sich über ihre Kontaktaufnahme freuen und Ihnen ein gutes Umfeld für Ihre Fragen und Ihr mögliches Engagement bieten.

 

 

 


Apfelsorten im Altkreis Biedenkopf

 

Über 140 Apfelsorten aus dem Altkreis Biedenopf – dem Hinterland – hat der Kreisverband Biedenkopf zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege e.V. in liebevoller Detailarbeit in dieser Broschüre zusammengetragen.

Die Charakterisierung dieses reichen Erfahrungsschatzes nach Sorte, Herkunft, Pflückreife, Genussreife, Anfälligkeiten und Verwendung gibt Ihnen eine sehr gute Orientierung bei der Auswahl des passenden Apfelbaums für Ihren Garten oder Ihre Streuobstwiese.

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Birnensorten im Altkreis Biedenkopf

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