Streuobstwiesen

Alte Apfelsorten – besonders lecker und gesund

 

Streuobstwiesen bereichern die Landschaft mit ihrer Vielzahl an Obstbäumen verschiedener Sorten und unterschiedlichen Altersstruktur. Sie wurden ursprünglich als Obstbau-Gürtel rund um die Dörfer zur Eigenversorgung angelegt und stärkten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im ländlichen Raum die Wirtschaftskraft.

 

Heute legen wir wieder besonderen Wert auf die gesundheitlichen und geschmacklichen Vorzüge – vor allem der alten Apfelsorten. Sie enthalten viele Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe und fast kein Fett. Da Äpfel zu 85 Prozent aus Wasser bestehen, sind sie zudem kalorienarm. Das weiße Fruchtfleisch senkt das Risiko vor Schlaganfällen und den Cholesterinspiegelund durch den Ballaststoff Pektin halten Äpfel länger satt.

 

Auch für die vier Millionen Menschen in Deutschland, die allergisch gegen den Obstklassiker sind, gibt es gute Nachrichten. Auf Grund von vielen Befragungen fanden apfelbegeisterte Mitglieder*innen des BUND Lemgo heraus, dass besonders alte Sorten als gut verträglich eingestuft wurden (Liste). Diese Sorten haben einen hohen Polyphenolgehalt.

 

Es wird vermutet, dass das Polyphenol die allergenen Stoffe im Apfel unschädlich macht. Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören. Sie bewirken, dass der Apfel aromatischer, aber weniger süß ist.

 

Äpfel mit hohem Polyphenolgehalt haben nicht immer eine ganz perfekte Form und das Fruchtfleisch verfärbt sich beim Anschneiden schneller, es wird eher braun. Beim Apfel aus dem Supermarkt sind solche Makel nicht erwünscht, und so enthalten viele neu gezüchtete Sorten weniger Polyphenole als ihre Vorgänger. mehr...


Geschützte Biotope und genetisches Potenzial

 

Streuobstbestände unterliegen nach § 13 Hessisches Naturschutzgesetz dem gesetzlichen Biotopschutz.  Auf der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands sind die Streuobstwiesen als „stark gefährdet“ eingestuft. Schätzungen zur Baumanzahl in Hessen schwanken zwischen 0,5 Mio. und 1 Mio. Bäumen, was einem Bestandsrückgang im 20. Jahrhundert um bis zu 95 % entspricht.

 

Es ist das große Verdienst der traditionellen Obst- und Gartenbauvereine, den Restbestand an Streuobstwiesen gesichert zu haben! In den letzten Jahren wächst erfreulicherweise die Zahl der Initiativen, die alte, verwilderte Streuobstbestände wiederbeleben, in dem sie neu pflanzen, schneiden, beweiden, Patenschaften vergeben und Ernteeinsätze organisieren.

 

In Streuobstwiesen können zwischen 2.000 und 5.000 Tierarten beheimatet sein. Den größten Anteil nehmen dabei Insekten, wie Käfer, Wespen, Hummeln und Bienen ein, für viele Vogelarten sind alte Streuobstbestände durch ihren Höhlen- und Totholzreichtum die ideale Lebensstätte.

 

Bis zum 20. Jahrhundert entstanden über 6.000 Obstsorten, darunter teils nur örtlich verbreitete Sorten, die mit ihrer traditionellen Bewirtschaftungsweise ein Teil der Landeskultur sind. Außerdem gilt die Vielfalt der alten Sorten gegenüber Krankheiten und Schaderregern als besonders robust und ist somit ein wertvolles genetisches Potenzial. mehr...


Pflanzung

 

Hochstämmige Obstbäume wachsen langsam. Es dauert oft 12 -15 Jahre, bevor sie zum ersten Mal einen nennenswerten Ertrag bringen. Sie nehmen dann aber auch einen großen Platz ein, so dass es zu den häufigsten Fehlern gehört, nicht genügend Platz zwischen den jungen Bäumen bei der Pflanzung zu lassen. Apfel- und Birnenhochstämme benötigen mindestens 10 m, Pflaumen 8, Süßkirschen 12 und Walnussbäume 15 Meter Pflanzabstand. Dies wird häufig nicht beachtet, so dass die Bäume in der Folge oft nicht genügend Entwicklungsmöglichkeiten haben, die Früchte beschattet werden und die späteren Nutzer kaum Freude am Obst haben.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl des Standortes. An feuchten, staunassen Standorten, die nicht genügend Sauerstoff für die Wurzelatmung bieten, wachsen Obstbäume nicht oder werden von Krankheiten, wie z. B. dem Obstbaumkrebs, befallen. Talsenken sind oft ein Sammelbecken für Kaltluft womit die Gefahr der Blütenschädigung durch Frost steigt. Dieser Aspekt gewinnt  zunehmend an Bedeutung, weil infolge des Klimawandels der Zeitpunkt der Blüte weit nach vorne gerückt ist und die Blüten somit anfälliger für die Temperaturschwankungen in der unsteten Aprilwitterung sind.

 

Auch die Wahl der Sorten ist entscheidend für den späteren Nutzen und hängt stark vom Ziel ab, welches jemand bei der Anlage einer Streuobstwiese verfolgt. Sollen die Früchte vorwiegend direkt verzehrt, vermehrt länger eingelagert oder zu Saft bzw., Wein verarbeitet werden? Wie ist der Geschmack innerhalb der Familie?  Diese Fragen sollten erst geklärt werden, bevor eine Obstwiese angelegt wird. Zudem wird dringend empfohlen, sich mit dem jeweiligen Kreisverband für Obstbau, Garten und Landschaft in Verbindung zu setzen, der eine entsprechende Fachberatung vermitteln kann (Beratung).

 


Pflege

 

Obstbäume sind Kulturpflanzen und erfordern eine sorgfältige und wiederholte Pflege. Insbesondere der Schnitt will wohlüberlegt und der jeweiligen Wuchsform des Baumes, dem Ziel der Pflanzung und an die eigenen Möglichkeiten angepasst sein. Auch hier ist es sinnvoll, sich fortzubilden und entsprechende Kurse bei den Obst-und Gartenbauvereinen zu belegen (siehe Aktuelles). Die Aneignung im Selbststudium kann einen solchen Kurs zwar ergänzen aber nicht ersetzen, weil die verschiedenen Aspekte der Baumpflege zielgerichtet besser am jeweiligen Beispielobjekt vermittelt werden können. Schnitt nach eigener Einschätzung ohne Anleitung kann zu Ertragsausfall und gegebenenfalls auf Dauer zu statischen Problemen mit entsprechenden Risiken führen.

 

Zur Pflege gehört auch der Schutz der Bäume vor Wild- und Nutztieren, der bei Mängeln eine der häufigsten Ursachen für Verwundungen und Ausfälle bildet. Sinnvoll ist ein Mantel aus Weidematten, der auch gleichzeitig einen Schutz vor Stammrissen durch Sonneneinstrahlung bei frostiger Witterung bietet, den eine Drahthose alleine nicht gewährleisten kann. Auch das „weißeln“ der Bäume bietet diesen Schutz, muss jedoch jährlich wiederholt werde, um einen Effekt zu garantieren.

 

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge beeinträchtigen oft die Freude am Obstbau. Für den Laien ist es manchmal schwer zu erkennen, um welche Krankheit, bzw. welchen Schädling es sich handelt und welche Bedeutung der Schaden hat. Fehldiagnosen und damit fehlende oder falsche Konsequenzen sind häufig. Auch hier ist die Beratung durch einen fachlich versierte Person bzw. das Gartentelefon gefragt (Beratung).

 

Wenn man alte Bäume mit Astlöchern auf der Obstwiese stehen lässt, auch wenn sie kaum noch Ertrag bringen, bietet man vielen bedrohten Tieren einen Lebensraum. Gerade Insekten leben oftmals von absterbenden Rindenbestandteilen, dienen ihrerseits wieder vielen in ihrem Bestand bedrohten Vögeln als Nahrungsgrundlage und tragen damit zur Vielfalt des Lebens bei. Streuobstwiesen, besonders wenn sie etwas älter sind, sind das Paradebeispiel für Artenreichtum, also „Biodiversität im besten Sinne.

 


Ernte

 

Tragen die Obstbäume Früchte, wird dies  heute nur noch teilweise geschätzt.  Idealerweise nimmt man sich für die Ernte  Zeit und genießt diesen Höhepunkt des Gartenjahres, verarbeitet  die Früchte und genießt später die Produkte!  Einige Obstwiesenbesitzer sehen dies jedoch zunehmend als Belastung an und wollen oder können die damit verbundene Arbeit nicht mehr leisten. Dies ist einerseits bedauerlich bietet andererseits aber auch eine Chance für diejenigen, die Obst lieben aber kein eigene Obstwiese besitzen! Wenn Sie nicht abgeerntete Obstwiesen beobachten, ist es nicht sinnvoll, diese einfach zu ernten sondern den Besitzer/Eigentümer ausfindig zu machen und wegen der Ernteerlaubnis anzufragen! Oft begrüßen es die Eigentümer, wenn sich Interessenten finden, die den Wert der Obstwiese auch zu schätzen wissen.

 

Vielerorts gibt es Initiativen oder örtliche Vereine, die Ihnen bei tatkräftiger Mithilfe auch Gelegenheit bieten, Flächen  gemeinsam abzuernten oder bei der notwendigen Pflege zu helfen.

 

So wird auch der örtliche Obst-und Gartenbauverein sich über ihre Kontaktaufnahme freuen und Ihnen ein gutes Umfeld für Ihre Fragen und Ihr mögliches Engagement bieten.

 

 

 


Apfelsorten im Altkreis Biedenkopf

 

Über 140 Apfelsorten aus dem Altkreis Biedenopf – dem Hinterland – hat der Kreisverband Biedenkopf zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege e.V. in liebevoller Detailarbeit in dieser Broschüre zusammengetragen.

Die Charakterisierung dieses reichen Erfahrungsschatzes nach Sorte, Herkunft, Pflückreife, Genussreife, Anfälligkeiten und Verwendung gibt Ihnen eine sehr gute Orientierung bei der Auswahl des passenden Apfelbaums für Ihren Garten oder Ihre Streuobstwiese.

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Apfelsorten im Altkreis Biedenkopf
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Birnensorten im Altkreis Biedenkopf

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